Tag 3 - Was von Riesa bis zur Dübener Heide geschah ...

Veröffentlicht auf von die Medienverreiser

Um einen Einblick in verschiedene Textsorten und Schreibvarianten zu bekommen, haben wir für euch die Ereignisse des 3. Tages als Presseartikel und als Kurzgeschichte vorbereitet. Hier die Kurzgeschichte in Vorbereitung auf das Improtheater und den Filmdreh (als Übung im "Storytelling"). Manches ist Fiktion, anderes nicht. Ihr dürft raten was was ist! ;0)

 

Kurzgeschichte


Was ich euch nun erzähle, beruht auf einer wahren Begebenheit. Es war ein warmer Sommertag, den ich durch die Linse meiner Kamera festhielt. Doch obwohl meine Bilder die Situation immer am besten wiedergeben, versuche ich euch den Tag auch mit Worten zu schildern:

 

Wie immer herrschte Chaos nach dem allgemeinen Wecken. Gestern Abend waren die Kleinen zum Glück für uns Betreuer schnell und leise eingeschlafen. Doch nun flirrte die Luft wieder  vor Geräuschen, die beim Umrüsten der Einrichtung und Aufbauen des Frühstücks entstanden. Die kleine Vivi versucht wieder mich zu fotografieren. Lukas spielte mit seinem Handy. Lucie, Johannes und Valentin waren wie immer zu dritt unterwegs und Janek las sein Buch. Ich schlich mich einige Meter davon, um unbemerkt fotografieren zu können. Nach und nach wurde meine Position im Gebüsch mit der Kamera im Anschlag ungemütlich. Mir knurrte der Magen. Aber selbst als es endlich Essen gab, musste ich weiter fotografieren, da man das von mir erwartete. Als mir mein Magen in den Kniekehlen hing, wurde mir endlich erlaubt zu essen. Nachdem ich etwas gesättigt war, musste ich auch gleich weiter fotografieren, denn Valentin und Lucie wollten schwimmen – Motive, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Ich suchte mir einen Platz am Elbhang und zielte mit dem Sucher auf sie.

 

Durch mein Objektiv konnte ich genau sehen, was Valentin beim Baden dachte: „Dieses verdammte Gefühl. Dieses verdammt gute Gefühl, sich in die Wellen fallen zu lassen. Das liebe ich am Baden“. Er ließ sich einfach ins Wasser sinken, während sich sein Körper anfühlen musste wie Eis. Aber nicht wie normales Eis, sondern wie mit Algen besetztes Elbwassereis. Er tauchte unter. Wahrscheinlich beging er unter Wasser den Fehler, die Augen zu öffnen. Er hatte offensichtlich kurz den Dreckgehalt des Wassers vergessen, denn wie vom Blitz getroffen tauchte er wieder auf. Vergeblich versuchte er sich die Augen auszuwischen und war sichtlich unzufrieden mit dem Ergebnis. Er verließ das Wasser und kuschelte sich in sein Handtuch. Seine Augen hatten sich beruhigt und nun war ihm anzusehen, dass sich das Bad in der Elbe für ihn gelohnt hatte. Er ließ seine Augen über die Wasseroberfläche wandern und geriet ins Träumen: „Wenn ich mal ein Haus habe, dann eines an der Elbe. Und dazu 1000 Liter Chlor.“ Er riss sich los und ging wieder zum Auto, zu den anderen.

 

Ich folgte ihm, die Kamera immer griffbereit. Er machte es sich mit einer Packung Chips und seinen zwei engsten Freunden, Lucie und Johannes, bequem. Gerade als die drei sich Musik angemacht hatten, musste das Camp zusammengepackt  und das Reisegepäck wieder in den Bussen verstaut werden. Danach setzte er sich wie immer mit Lucie und Johannes an seiner Seite in einen der drei Busse, um ungestört kuscheln zu können. Er fühlte sich offenbar am wohlsten an Lucies Schulter gelehnt und schlief auf der Stelle ein wie ein faules Murmeltier. Nach 45 Minuten kam unsere Medientour-Karawane in Torgau an. Dort hatten wir alle einen Termin im Haus der Presse bei Herrn Stöber. Doch es schien, als würden besonders Valentin und Lucie durch Stöbers Vortrag über die Aufgaben einer Redaktion immer wieder beim Händchen halten gestört. Nach einer knappen Stunde war der Vortrag vorbei und er, Lucie und Johannes konnten sich nach einer kurzen Pause auf der Toilette wieder in ihren Bus zurückziehen. Der Rest von uns stürzte sich währenddessen hungrig auf die belegten Brote aus dem Kofferraum. Nach der Stärkung genossen wir alle die Fahrt ins Einkaufscenter, wo ich meine Kamera kurz weglegte.

 

Zu meinem Pech, denn in der Kaufhalle geschah Sonderbares, von dem nun nur meine Worte Zeugnis ablegen. Es existieren keine Fotos von der abenteuerlichen Geschichte, die unsere Gruppe erlebte: Lukas verwandelte sich plötzlich in eine Art Batman und war auf der Suche nach dem frisch gedruckten Exemplar einer Zeitung, die davon berichten sollte, dass der größte Schurke in der Stadt - Bilek, ein elender Erpresser - wieder zugeschlagen hatte. Die Zeit drängte, denn Batman Lukas musste immer auf dem neuesten Stand sein, um die Schurken schnell erledigen zu können, weil sonst Chaos ausbricht. Doch bevor Batman den Zeitungsstand erreichte, kam ihm der Zufall zu Hilfe. Er fand den Schurken Marcel Bilek bei der Wurst. Sofort rief er seinen Informanten Matthias an, der ihm mitteilte, dass ein Batman sich dem Kampf stellen muss. Marcel war Batman aber überlegen und so zog sich Batman aus der Szene zurück, trieb sich Geld zusammen und ging sich seine Zeitung kaufen. Sie hatte sicher noch andere Nachrichten über andere Schurken zu bieten. Danach zog er noch ein wenig durch die kalten Gänge mit all dem Essen, um sich telefonisch noch einmal mit seinem Informanten zu beraten, um eine neue Methode im Kampf gegen Marcel Bilek zu entwickeln. Matthias konnte Batman aber nur raten, sich zurück in Lukas zu verwandeln, um seine geheime Identität zu wahren. Der Schatten Batmans würde schon noch über die Bösen dieser Welt kommen. Er verwandelte sich also wieder in den rotblonden Jungen und bezahlte seine Zeitschrift mit zwei 5-Euro-Scheinen. Lukas stieß auf dem Parkplatz zu uns anderen, als wäre nichts gewesen.

 

Mit meinem fotografischen Auge stellte ich in Sekundenschnelle fest, dass alle sich wieder auf die Autos verteilt hatten. Die Türen der Fluchtwagen fielen ins Schloss. In Windeseile trat ich auf’s Gas wie sonst nur auf den Auslöser, schließlich hatte ich verderbliche Lebensmittel und hungrige Verreiser an Bord. Wir fuhren vorbei an Stoppelfeldern vollgepfropft mit riesigen Strohballen, die in der Abendsonne ihrer Bestimmung verharrten.  „In 300 Metern erreichen sie ihr Ziel.“, frohlockte die Stimme aus dem Navigationsgerät. Wir fuhren in den Zeltplatz Lindemühlenberg ein, der für die nächsten zwei Tage unser Lager sein sollte. Alle packten mit an, unsere Oase herzurichten. Das Koch-Team verlor keine Zeit alle Gaskocher anzuwerfen. Der Rest gab sich ganz ein paar Improvisationsspielen hin, während ich mir das nächste Gebüsch suchte - um alle ungestört fotografieren zu können. Bis zum Abendessen war von mir nicht mehr zu sehen als ein Teleobjektiv zwischen ein paar Blättern. Das Klicken meines Auslösers wiegte die Verreiser in den Schlaf.

 

Improspiele; Foto: esszett.com

 

Eure Medienverreiser

(Larissa, Viviane, Fabian, Janek, Johannes, Lukas, Valentin)

 

PS: Der Zeltplatz Lindemühlenberg nahm uns so freundlich auf, dass wir spontan entschieden, zwei Nächte hier zu verbringen. Kaum waren wir eingefahren, wurde uns ein lauschiger Wiesenplatz zugeteilt. Ans Stromnetz wurden wir auch sogleich angeschlossen und mit allem versorgt, was Verreiser eben so brauchen, um zwischendurch aufzutanken. Vielen Dank dafür der Familie Muth.

 

Familie Muth vom Lindemühlenberg; Foto: esszett.com

Veröffentlicht in Medientour 2012

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