Wahlprüfsteine Kinder- und Jugendreisen

Veröffentlicht auf von Jan Koch

[Update] ]Zehn Tage vor der Bundestagswahl 2013 haben wir Chemnitzer Direktkandidaten zum Thema Kinder- und Jugendreisen befragt. Versprochen: wir werden in jedem Jahr der kommenden Wahlperiode nachfragen, was die Kandidaten im Falle eines Einzuges in den Bundestag tatasächlich für die Förderung von Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen unternommen haben. Hier die ersten Antworten:

spd.jpgDetlef Müller (SPD) am 14.09.2013:

1. Wie schätzen Sie die pädagogische, touristische und wirtschaftliche Bedeutung (im Bundesmaßstab) von Kinder- und Jugendreisen, im speziellen auch des Arbeitsfeldes Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen nach §11 SGB VIII, ein?

Die Pädagogische Bedeutung ist sehr hoch. Insbesondere für Kinder aus wirtschaftlich schwächeren Familien oder auch aus Familien mit Migrationshintergrund - aber auch generell darüber hinaus ist es für Kinder enorm wichtig, gemeinsam Zeit zu verbringen, gemeinsam Ferien zu erleben - sie können dabei Selbständigkeit lernen und Unabhängigkeit üben; der vorhandene „Geldbeutel“ sagt nicht immer etwas über die Qualität der Erziehung bzw. Bildung aus.
Die wirtschaftliche Bedeutung ist für mich eher schwer abzuschätzen, v.a. wie groß der Bereich der Kindererholungsmaßnahmen an der Tourismusbranche tatsächlich ist. Aber auch im Bereich der Kinder- und Jugendreisen sind Arbeitsplätze entstanden und werden zusammenhängende Leistungen (Verkehr, Catering, Service usw) erbracht – und damit auch Arbeit geschaffen, gehalten.
Touristisch betrachtet sind Kinder- und Jugendreisen selbstverständlich wichtig: insbesondere, da die Kinder und Jugendlichen andere – meist innerdeutsche - Orte und Regionen kennen lernen – abseits vom üblichen Pauschaltourismus.

2. Unterstützen Sie eine einkommensabhängige Förderung auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, um die Teilhabe aller interessierten Mädchen und Jungen an einer Kinder- und Jugendreise zu ermöglichen.

Ja, selbstverständlich unterstütze ich diese Förderung. Auch Kinder und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien muss der Zugang zu diesen Angeboten ermöglicht werden bzw. möglich bleiben.

3. Unterstützen Sie eine pauschale, maßnahmen- oder projektbezogene Förderung von Trägern der Jugendhilfe auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, welche im Arbeitsfeld Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen aktiv sind?

Diese Frage hingegen ist schwierig zu beantworten… es gibt sehr gute Gründe für pauschale Förderungen und für Maßnahme- bzw. projektbezogene Förderung. Wir diskutieren dies bekanntermaßen immer wieder in Chemnitz und haben erste Schritte zu pauschalierten Förderungen unternommen. Es müssen dabei sämtliche Vor- und Nachteile - sowohl für Träger, als auch für den Fördermittelgeber - gegenübergestellt werden. Sollte die pauschalierte Förderung eine Verbesserung für die Nutzer, und hier insbesondere für die Kinder und Jugendlichen, und  eine Vereinfachung für Fördermittelgeber und Träger mit sich bringen, ist das selbstverständlich zu befürworten.  Für die landes- und Bundesebene kann ich diese Frage nicht fundiert beantworten – ich gehe aber davon aus, dass es sich analog zur kommunalen Förderung darstellt. Pauschale Förderungen bringen auf jeden Fall weniger Bürokratie und damit weniger Zeitverzug mit sich. Darüber hinaus ist es für Anbieter/träger sicherlich vorteilhaft, das eine gewünschte Flexibilisierung ermöglicht wird.

cdu.jpgFrank Heinrich (CDU) am 17.09.2013:

1. Wie schätzen Sie die pädagogische, touristische und wirtschaftliche Bedeutung (im Bundesmaßstab) von Kinder- und Jugendreisen, im speziellen auch des Arbeitsfeldes Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen nach §11 SGB VIII, ein?

Die pädagogische Bedeutung von Kinder- und Jugendreisen ist ausgesprochen hoch. Gemeinsame Gruppenerlebnisse stärken die Sozialkompetenz. Erholungseffekte haben auch bei Kindern und Jugendlichen schon viel mit sogenanntem "Tapeten-Wechsel" zu tun. Das Kennenlernen fremder Regionen oder Länder führt zu einer kulturellen Horizonterweiterung, die prägend sein kann für ein ganzes Leben. Hier liegen auch die touristischen und wirtschaftlichen Auswirkungen: Wer die Freude am Reisen entdeckt, der behält sie bei. 

2. Unterstützen Sie eine einkommensabhängige Förderung auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, um die Teilhabe aller interessierten Mädchen und Jungen an einer Kinder- und Jugendreise zu ermöglichen.
 
Ja, ich unterstütze eine Förderung, die es auch Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien ermöglicht, an Reisen teilzunehmen. Die Entwicklung und Bildung eines Kindes zu fördern, ist eine der obersten Pflichten der Politik.
 
3. Unterstützen Sie eine pauschale, maßnahmen- oder projektbezogene Förderung von Trägern der Jugendhilfe auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, welche im Arbeitsfeld Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen aktiv sind?

Alles drei kann jeweils Sinn machen. Grundsätzlich halte ich maßnahmen- und projektbezogene Förderungen inhaltlich für die beste Sache. Sie können gelegentlich etwas schwierig in der Beantragung und Nachweislegung sein, deswegen bin ich generell für pauschale Anteile in Förderungen, damit Maßnahmen auch flexibel durchführbar sind. Bei erfahrenen und positiv evaluierten Trägern unterstütze ich auch eine pauschale Förderung.

fdp.jpgKristian Reinhold (FDP)

Noch keine Antwort (Anfrage versendet am 12.09.2013)

 

 

 

 

 

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Michael Leutert (Die Linke)
am 19.09.2013:

1. Wie schätzen Sie die pädagogische, touristische und wirtschaftliche Bedeutung (im Bundesmaßstab) von Kinder- und Jugendreisen, im speziellen auch des Arbeitsfeldes Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen nach §11 SGB VIII, ein?

Sehr hoch. Angesichts der großen sozialen und pädagogischen Bedeutung von Kindern- und Jugendreisen sehe ich die wirtschaftliche Bedeutung dabei eher nachrangig. Für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist sowohl die gemeinsam verbrachte Zeit, die Interaktion in der Gruppe, wie auch die Erfahrungen, die auf Reisen - gerade ins Ausland - gemacht werden, wichtig.
 
2. Unterstützen Sie eine einkommensabhängige Förderung auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, um die Teilhabe aller interessierten Mädchen und Jungen an einer Kinder- und Jugendreise zu ermöglichen.

Ja. Ein Drittel der Kinder in Deutschland – dem „Reiseweltmeister“ – kann, meist aus finanziellen Gründen, nicht in den Urlaub fahren. Und die Zahl ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. Das ist kein Problem, welches sich durch die Selbstheilungskräfte des Marktes lösen lässt. Hier ist die Politik gefragt. Die Linke fordert unter anderem einen Sonderfond, um die Jugendhilfe auszubauen und die Kürzungen der letzten Jahre rückgängig zu machen.

3. Unterstützen Sie eine pauschale, maßnahmen- oder projektbezogene Förderung von Trägern der Jugendhilfe auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, welche im Arbeitsfeld Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen aktiv sind?

Das kommt auf die Aufgabe und damit auch die Struktur des jeweiligen Trägers an. Generell bietet eine pauschale Förderung für feste Einrichtungen Vorteile, nicht zuletzt eine größere Planungssicherheit. Bei begrenzten Projekte stellt sich das, wie der Name schon sagt, anders dar. Letztlich lässt sich die Frage für mich nicht in die eine oder andere Richtung beantworten.
 

gruene.jpgPetra Zais (Bündnis 90/ Die Grünen) am 13.09.2013:

Als langjährige Stadträtin von Chemnitz schätze ich die Arbeit der Kindervereinigung sehr. Das betrifft nicht nur das Projekt der "Verreiser", sondern die gesamte Arbeit des Vereins.

1. Wie schätzen Sie die pädagogische, touristische und wirtschaftliche Bedeutung (im Bundesmaßstab) von Kinder- und Jugendreisen, im speziellen auch des Arbeitsfeldes Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen nach §11 SGB VIII, ein?
 
Hinsichtlich Ihrer ersten Frage kann ich Ihnen versichern, dass ich Angebote von Kinder- und Jugendreisen wegen ihrer pädagogischen Bedeutung und ihrer sozialen Komponente für unverzichtbar halte. Die wirtschaftliche und touristische Bedeutung kommt als zusätzliches Sahnehäubchen :) hinzu.
 
2. Unterstützen Sie eine einkommensabhängige Förderung auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, um die Teilhabe aller interessierten Mädchen und Jungen an einer Kinder- und Jugendreise zu ermöglichen.

Was die zweite Frage betrifft, stehen wir GRÜNE und auch ich ganz persönlich dafür, dass jedes Kind Anspruch auf eine Kindergrundsicherung hat, die tatsächliche Teilhabe und Chancen ermöglicht. Die Kindergrundsicherung soll einkommensunabhängig und deutliche höher als das Kindergeld sein. Sie soll nicht auf Leistungen nach dem SGB angerechnet werden und so tatsächlich auch bei den Kindern ankommen. So lange wir diese Kindergrundsicherung nicht haben, plädiere ich für eine Förderung der Kinder- und Jugendreisen für interessierte Mädchen und Jungen, deren Eltern die Reisekosten nicht aufbringen können.

3. Unterstützen Sie eine pauschale, maßnahmen- oder projektbezogene Förderung von Trägern der Jugendhilfe auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, welche im Arbeitsfeld Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen aktiv sind?
 
Ihre dritte Frage kann ich leider nicht pauschal beantworten, da ich bei allen drei Förderarten Vor- oder Nachteile für den Träger oder den/die Geldgeber sehe. Für meinen jetzigen Wissensstand wäre für mich immer der Einzelfall entscheidend. Einer Debatte zu dieser Frage stehe ich aufgeschlossen gegenüber, denn lernen muss ich noch Vieles.
 
piraten.jpg[update]
Toni Rotter (Piraten) am 19.09.2013:


1. Wie schätzen Sie die pädagogische, touristische und wirtschaftliche Bedeutung (im Bundesmaßstab) von Kinder- und Jugendreisen, im speziellen auch des Arbeitsfeldes Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen nach §11 SGB VIII, ein?

Die pädagogische Bedeutung von Kinder- und Jugendreisen schätze ich als im besonderen Maße sinnvoll ein. Sie ermöglicht Kindern und Jugendlichen ihre Sozialkompetenz erheblich zu erweitern und gleichzeitig voneinander in verschiedenen Lebensbereichen zu lernen. Ich begrüße daher die hervorragende Jugendarbeit vieler z.T. auch ehrenamtlicher arbeitender Verbände in diesem Bereich.
Touristisch spielen Kinder- und Jugendreisen ebenfalls eine wichtige Rolle, da sie Schulklassen und Jugendclubs ermöglicht, die verschiedenen Teile Deutschlands, aber auch andere Länder zu entdecken. Dabei findet in jedem Fall ein kulturell nützlicher Austausch statt. Davon haben nicht nur die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen Vorteile, sondern auch die bereisten Gebiete.
Eng damit verbunden ist auch die wirtschaftliche Bedeutung.
Kinder und Jugendliche erhalten die Möglichkeit sich selbständig Taschengeld einzuteilen und somit ihre eigene, spätere, wirtschaftliche Tätigkeit Schritt für Schritt zu erlernen. Aber auch lokale Betriebe, wie Unterhaltungsindustrie und Gastronomie profitieren von den zahlreichen Gästen.

2. Unterstützen Sie eine einkommensabhängige Förderung auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, um die Teilhabe aller interessierten Mädchen und Jungen an einer Kinder- und Jugendreise zu ermöglichen.

Die Piratenpartei setzt sich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ein, darunter soll auch ein sogenanntes Kinder-BGE fallen. Hierdurch könnte es allen Kindern ermöglicht werden, an solchen Reisen teilzunehmen. Die aktuelle Lage der Antragsstellung für Eltern mit geringem Einkommen oder
Hartz4 für z.B. Schulfahrten sind große bürokratische Hindernisse für Eltern und Lehrer und gehören durch ein moderneres System, mit deutlich reduziertem Verwaltungsaufwand, abgelöst.
Grundsätzlich werde ich mich also für eine freie Teilnahme von Kindern- und Jugendlichen an Kinder- und Jugendreisen sowie der gesetzlichen Erarbeitung eines Kinder- und Erwachsenen-BGE, einsetzen.

3. Unterstützen Sie eine pauschale, maßnahmen- oder projektbezogene Förderung von Trägern der Jugendhilfe auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, welche im Arbeitsfeld Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen aktiv sind?

Die Piratenpartei unterstützt diese Förderungen unbedingt, denn sie dienen, wie oben bereits erwähnt, der sozialen und pädagogischen Förderung von Kindern und Jugendlichen. Daher möchte ich die Förderung von Kinder- und Jugenderholungsmaßnahmen im Bundestag auf jeden Fall unterstützen.

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